2. Frauen-Bundesliga soll wieder zweigleisig werden – Saisonstart am 4. Oktober?

Die seit zwei Jahren eingleisige 2. Frauenfußball-Bundesliga springt aufgrund der Corona-Krise zurück in die Vergangenheit und wird – wenn es nach dem deutlichen Votum der Vereine geht – in der Saison 2020/21 wieder zweigleisig daherkommen. Zumindest vorübergehend. Das ist im Prinzip das Ergebnis einer Videokonferenz der beteiligten Vereine mit dem DFB. Weil die Liga mit bis zu 19 Mannschaften und aufgrund der terminlichen Enge zu groß für einen „normalen“ Spielbetrieb mit Hin- und Rückspiel zu sein scheint, wurden zwei alternative Szenarien diskutiert.

Verworfen wurde am Ende die zweite Idee, mit allen Mannschaften bundesweit jeweils einmal gegeneinander zu spielen – womit maximal 18 Begegnungen auf dem Programm gestanden hätten. Nur die SG 99 Andernach und ein weiterer Verein stimmten für diese Variante, bei einer Enthaltung war der Rest der Gesprächsrunde wohl vornehmlich aus finanziellen Gründen für die neuerliche Zweiteilung der Liga in eine Süd- und eine Nord-Staffel. Die endgültige Beschlussfassung des DFB darüber soll in den nächsten Tagen erfolgen. Offen ist noch, ob die Rückführung ins eingleisige Muster mit 14 Mannschaften in nur einem oder in zwei Schritten passieren soll. Im ersten Fall wären demnach bis zu acht (!) Absteiger auf einen Schlag zu befürchten.

Die finale Zusammensetzung der einzelnen Gruppen soll bis zum 5. Juli stehen, also sieben Tage nach Abschluss der 1. Bundesliga (letzter Spieltag am 28. Juni). Die beiden Absteiger aus der höchsten Klasse der Republik beeinflussen zumindest marginal die mögliche Einteilung – je nachdem, ob neben dem FF USV Jena (geht am 1. Juli offiziell in den FC Carl Zeiss Jena über) der 1. FC Köln oder der MSV Duisburg noch nach unten muss. Die etwas schlechteren Karten haben da momentan die Domstädterinnen (Heimspiel am Sonntag um 14 Uhr gegen den SC Sand), weil die punktgleichen und in der Tordifferenz um plus neun besser gestellten „Zebras“ zur gleichen Zeit beim bereits abgestiegenen Tabellenletzten aus Jena anzutreten haben.

Sollte es die Kölner tatsächlich in negativer Hinsicht treffen, dürfte die zweite Mannschaft des „Effzeh“ als Meister der Regionalliga West nicht in die 2. Bundesliga aufsteigen, weil die erste Garnitur in eben diese Klasse herunterfällt. In diesem Fall wäre neben dem BV Borussia Bocholt (Vizemeister) die Drittplatzierte SpVg Berghofen als Nachrücker der Nutznießer dieser Situation. Unwahrscheinlich erscheint derzeit, ob der BV Cloppenburg (Zehnter der Zweitliga-Abschlusstabelle 2019/20) an seiner Meldung festhält. Laut NWZ online haben die schon seit geraumer Zeit finanziell klammen Niedersachsen den Antrag auf Insolvenz in der Vorwoche gestellt.

Mit Interesse verfolgt die SG 99 diese Entwicklung. Geschäftsführer Bodo Heinemann und das Trainergespann Isabelle Stümper und Florian Stein hätten lieber die Fortführung der Eingleisigkeit begrüßt: „Allein rein sportlich wäre das wesentlicher interessanter gewesen“, so der einhellige Tenor aus dem Lager der „Bäckermädchen“. Kommt alles so, wie derzeit geplant, ergibt sich der folgende zeitliche Ablauf: Der Saisonstart der Zweitligisten ist am 27. September mit der ersten DFB–Pokalrunde. Das eröffnende Punktspiel soll am 4. Oktober über die Bühne gehen. Die Winterpause beginnt – wenn es tatsächlich auf 18 Mannschaften (= zwei Neuner-Staffeln) hinausläuft – nach dem siebten Spieltag am 6. Dezember. Weiter geht es in dieser Variante (erst) am 7. März 2021, Saisonende wäre am 23. Mai.

Derweil hat Andernach die personellen Planungen knapp eine Woche vor dem Ende der im Amateurfußball üblichen Wechselperiode praktisch abgeschlossen. Vanessa Zilligen (1. FC Köln), Besarta Hisenaj (FSV Hessen Wetzlar), Natalie Poppe und Laura Weißenfels (beide U17 SC 13 Bad Neuenahr) haben sich der ersten Mannschaft der SG 99 angeschlossen, Joelina Martini (U17 1. FC Köln) zählt zunächst einmal als Perspektivspielerin zur zweiten Garde. Dem gegenüber stehen derzeit nur zwei Abgänge: Celine Dickopf wechselt zum Südwest-Regionalligisten 1. FFC Montabaur, Loreana Liebetanz geht zurück zum TuS Wörrstadt. Am 7. Juli kommt die neue Mannschaft der SG 99 erstmals im Andernacher Stadion zusammen.

So könnte die Staffeleinteilung der 2. Frauen-Bundesliga 2020/21 aussehen, wenn der insolvente BV Cloppenburg nicht mehr meldet. In Klammern steht die Platzierung der Saison 2019/20:

Staffel Süd

1. TSG 1899 Hoffenheim II (3.)
2. FC Ingolstadt 04 (6.)
3. FC Bayern München II (8.)
4. SG 99 Andernach (11.)
5. 1. FC Saarbrücken (12.)
6. 1. FFC/Eintracht Frankfurt II (13.)
7. 1. FFC Niederkirchen (Aufsteiger RL Südwest)
8. Würzburger Kickers (Aufsteiger RL Süd)

Dazu könnte als neunte Mannschaft der 1. FC Köln (falls er aus der 1. Bundesliga absteigt) oder der 1. FC Köln II (Meister der Regionalliga West) kommen.

Staffel Nord

1. FF USV/FC Carl Zeiss Jena (Absteiger (1. BL)
2. VfL Wolfsburg II (2.)
3. Borussia Mönchengladbach (5.)
4. 1. FFC Turbine Potsdam II (7.)
5. FSV Gütersloh (9.)
6. Arminia Bielefeld (14.)
7. RB Leipzig (Aufsteiger RL Nordost)
8. Borussia Bocholt (2. Aufsteiger RL West)

Dazu könnte als neunte Mannschaft der MSV Duisburg (falls er aus der 1. Bundesliga absteigt) oder die SpVg Berghofen (Nachrücker aus der Regionalliga West) kommen.

Rückfall in alte Zeiten? Möglich, dass die SG 99 Andernach (blaue Trikots, hier mit Maren Weingarz am Ball) und der 1. FC Köln II – hier im direkten Duell am 13. Mai 2018 – bald wieder gemeinsam in einer zweigeteilten 2. Frauen-Bundesliga spielen. Foto: Norbert J. Becker