Zweitliga-Saisonstart am Sonntag: SG 99 spielt zu Hause gegen den SV Meppen

Viel war die Rede vom großen Umbruch bei den Fußballerinnen der SG 99 Andernach. Fünf Abgänge und sieben Neuverpflichtungen, so viel Bewegung gab’s noch nie im Zweitliga-Kader der Bäckermädchen. Anderswo wurde indes noch fleißiger eingekauft und abgegeben: Beim Ex-Bundesligisten SV Meppen beispielsweise gingen gleich zehn Spielerinnen, und ebenso viele kamen neu hinzu. Das macht es für das Andernacher Trainerteam um Isabelle Hawel nicht einfacher, das SG-Team auf die erste Heimaufgabe der neuen Saison gegen die Emsländerinnen am Sonntag (14 Uhr) auf dem Rasenplatz im Andernacher Stadion vorzubereiten. „Es ist extrem schwierig, vorherzusagen, wie wir in die Saison reinstarten“, gibt Hawel zu, „ich bin selbst gespannt.“ Auch weil in Kapitänin Magdalena Schumacher und Zoe Brückel zwei wichtige Defensivkräfte zum Saisonstart fehlen.

Doch das Vertrauen in die neu verpflichteten Spielerinnen ist groß. „Unser Kader ist sehr ausgeglichen, wir haben keinen Superstar“, sagt Florian Stein, der die Andernacher Bäckermädchen von 2020 bis 2024 trainierte und seitdem als Geschäftsführer der Frauen- und Mädchenabteilung fungiert. Bei der Suche nach Verstärkungen haben Stein, Hawel und Co-Trainer Ralf Wendel eine neue Erfahrung gemacht: „Zahlreiche Spielerinnen haben uns angesprochen“, stellt Stein fest. Der Verein ging gut vorbereitet in die Gespräche. „Wir haben eine Video-Präsentation unseres Vereins erstellt“, erzählt Stein. „Das waren die meisten Spielerinnen und ihre Berater so nicht gewöhnt.“ Insgesamt, so Stein, „sind wir unserer Linie treu geblieben. Eigentlich sind wir chancenlos gegenüber anderen Vereinen, die über Wohnungen, Arbeitsstellen oder Internatsplätze verfügen“, sagt Stein, „auch wenn wir bei der Suche helfen, wo wir können.“

Auf Dauer setzt der Verein darauf, den eigenen Nachwuchs zu stärken und das Augenmerk vornehmlich auf Talente aus der Region zu richten. Als Vorbild gilt das „Riesentalent“ Malou Müller, hervorgegangen aus der Andernacher Jugend, die nach ihrer zweiten Zweitligasaison von zahlreichen Zweit- und Erstligisten umworben wurde. Dass die torgefährliche Innenverteidigerin, gerade 20 geworden, trotzdem in Andernach bleibt, führt Stein auf die kluge Vereinspolitik zurück: „Wir wollen jungen Spielerinnen Wege aufzeigen, wie sie bei uns weitere Schritte gehen können. Auch Malous Weg muss nicht in Andernach enden.“

Um die Nachwuchsarbeit zu forcieren, haben sich die Andernacher die Dienste eines angesehenen Fachmanns gesichert. Sijamak Sauer, der sich schon beim Ex-Bundesligisten in Bad Neuenahr um die Talentförderung verdient gemacht hat, soll als Technischer Direktor bei der Sichtung und Ausbildung mitwirken. „Wir müssen unseren Nachwuchs im Auge behalten, um immer wieder Malou Müllers zu kreieren“, gibt Florian Stein die Richtung vor.

Zunächst aber geht es darum, die weitere Zugehörigkeit zur 2. Bundesliga sicherzustellen. Noch gibt es Fragezeichen. In Testspielen gegen starke Konkurrenz hagelte es Gegentore. Mut machte die traditionelle Teilnahme am Steka-Cup in Schleidweiler, wo sich die Bäckermädchen im Feld etlicher Regionalligisten torhungrig zeigten und nur im Finale gegen Fortuna Köln, die man im Gruppenspiel noch mit 4:0 geschlagen hatte, nach 20-minütiger Spielzeit im Elfmeterschießen den Kürzeren zogen.

Die langzeitverletzten Leonie Wäschenbach und Daria Collas stehen vorläufig nicht zur Verfügung. Kathrin Schermuly stand zwar sieben Wochen nach der Geburt ihres Babys schon wieder auf dem Trainingsplatz, den Kinderwagen am Spielfeldrand stets im Blick, doch auch ihr Comeback in der Liga steht noch in den Sternen. Florian Stein rückt die Proportionen zurecht: „Wir werden wahrscheinlich wieder mit dem geringsten Etat aller Zweitligisten in die Saison gehen. Jedes Jahr, wenn Andernach in der Zweiten Liga spielt, haben wir ganz viel richtig gemacht.“ Stefan Kieffer

Hintere Reihe (von links, in Klammern die Rückennummern) Muriel Bey (31), Zoe Brückel (22), Ina Keller (11), Zahara Wehbrink (29), Emelie Hesselbach (8), Magdalena Schumacher (23), Malou Müller (27), Kathrin Schermuly (5), Carolin Schraa (7), Daria Collas (18), Paula Petri (9), Vanessa Zilligen (15).

Mittlere Reihe (von links) Cheftrainerin Isabelle Hawel, Mannschaftsarzt Dr. Thomas Höpfner, Co-Trainer Ralf Wendel, Physiotherapeut Timo Drzesga, Standardtrainer Jan Hawel, Teammanager Bodo Heinemann, Torwarttrainer Leon Hantke, Co-Trainer Sascha Oestreich, Athletiktrainerin und Teamkoordinatorin Lydia Sauerborn.

Vordere Reihe (von links) Leonie Wäschenbach (17), Isabel Pfeiffer (21), Mia Trombin (14), Marlene Ganßer (13), Elena Bläser (1), Victoria Prassel (19), Lisa Krupp (25), Leonie Krump (10), Narjiss Ahamad (6), Nele Gärtner (28), Debora Vinci (33).

Es fehlen: Laureta Crnaveri (4), Rinesa Alija (20) und Mannschaftsverantwortlicher Armin Grauel.

Foto: Norina Tönges / SG 99 Andernach