DFB-Pokal der A-Junioren: Die Bullen kommen am 1. September nach Andernach


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Das Hornberger Schießen ist laut Redewendung ein Ereignis, bei dem trotz viel Getöse nichts herumkommt. Im Fall der SG 99 Andernach war das aber nicht so. Beim 5:1 (2:0) der Bäckermädchen im Duell der Frauenfußball-Regionalliga Südwest mit dem 1. FC Saarbrücken II bezwang eine Spielerin dieses Namens den Gegner fast im Alleingang.

Antonia Hornberg. Foto: Andreas Walz
Antonia „Toni“ Hornberg erzielte die Treffer eins, zwei, vier und fünf. Da musste sie später selbst schmunzeln: „So viele Tore habe ich in meiner ganzen Karriere nicht zusammen geschossen. Das letzte Mal habe ich für Schott Mainz getroffen, als mich der Trainer im Spiel gegen Niederkirchen als Stürmerin aufgestellt hat.“ Das war im Prinzip auch diesmal das Erfolgsrezept. Andernachs Trainergespann Isabelle und Kappy Stümper hatte die 27-Jährige mit der Nummer 31 auf dem Rücken im DFB-Pokalspiel gegen die erste Saarbrücker Garnitur (2:4 nach Verlängerung) noch als Außenverteidigerin nominiert. Diesmal half ihre Schnelligkeit der SG 99 auf dem rechten Flügel. Das erste Mal sollte sich dieser taktische Schachzug schon nach sechs Minuten auszahlen, da allerdings noch mit gütiger Unterstützung des FCS. Hornberg drang schräg in den Saarbrücker Strafraum ein, ihr Schuss landete – abgefälscht von einem Abwehrbein – im Netz der Gäste. Das schnellste Tor des ersten Spieltags war es aber nicht, Michaela Blatt (SV Holzbach) traf beim 1:1 gegen den SC 13 Bad Neuenahr ebenso nach knapp 60 Sekunden wie Lena Zimmermann (SC Siegelbach) beim 2:2 gegen den 1. FFC Montabaur.
Fast so überraschend wie die vier Hornberg-Treffer war vielleicht auch eine Einwechslung der SG 99: Wegen personeller Not (sogar die zweite Torfrau Kathrin Günther kam als Feldspielerin zum Einsatz) hatte sich Jasmin Umlauf zur Verfügung gestellt. Als Gedächtnisstütze: Das ist die jüngere Tochter des Andernacher Teamchefs Kappy Stümper, vor der Hochzeit im Sommer noch mit ihrem Mädchennamen im Zweitliga-Einsatz (14 Treffer) für die Bäckermädchen. Mit „Umlauf“ konnte auch Saarbrückens Coach Markus Klimt mit prüfendem Blick auf den Spielberichtsbogen zunächst nichts anfangen. Gut möglich, dass „Min“, wie sie von ihren Teamkolleginnen gerufen wird, trotz mehr oder weniger offiziellem Karriereende künftig noch öfter in die Bresche springen wird.
Zurück zum Spiel: Als Andernach durch Hornberg kurz vor der Pause das 2:0 (42.) nachlegte, strebte die SG 99 bei drückenden Temperaturen offenbar einem lockeren Erfolg entgegen. Doch nach dem Anschlusstreffer per direkt verwandeltem Eckball durch Nina Rauber (50.) bekam die FCS-Reserve kurzfristig Oberwasser. Aber Jana Theisen zwischen den Andernacher Pfosten machte ihren Stellungsfehler wieder wett und verhinderte im Anschluss gleich zweimal den möglichen Ausgleich. Drei Minuten nach dem Gegentor war die SG 99 wieder in der Spur, Laura Weinel sorgte abgeklärt für den alten Abstand. Den Rest (67., 73.) steuerte die torhungrige Hornberg bei. Unterm Strich begann die neue Saison für die SG 99 so, wie sie die Spielzeit 2016/17 (5:1 gegen die SG Parr Medelsheim) als Meister der Regionalliga beendet hatte. Vielleicht ein gutes Omen, mehr aber nicht. Teamchef Kappy Stümper hebt auch gleich warnend den Finger: „Wir dürfen diesen Sieg auf keinen Fall überbewerten. In den nächsten Wochen warten wesentlich stärkere Gegner. Da müssen wir uns noch deutlich steigern.“ Im ersten Auswärtsspiel der Saison geht es am kommenden Sonntag um 14.30 Uhr zum Derby nach Montabaur.

Alarmstufe eins vorm Saarbrücker Gehäuse: Doch die Andernacherinnen (von links) Isabelle Stümper, Kapitänin Eva Langenfeld, Sarah Meinerz und Magdalena Schumacher kommen in dieser Szene nicht richtig zum Zug. Foto: Norbert J. Becker



Die 1. Ausgabe des Bäckerjungen-Magazins in dieser Saison zu den Heimspielen unserer 1. Männermannschaft gegen den TuS Mayen (Samstag, 18. August, 17.30 Uhr) und der 1. Frauenmannschaft gegen den 1. FC Saarbrücken II (Sonntag, 19. August, 14 Uhr) gibt’s hier als digitale Version (20 Seiten / 5,79 MB) zur Ansicht und/oder zum Download.

Innerhalb von nur acht Tagen treffen die Fußballfrauen der SG 99 Andernach an gleicher Stelle ein weiteres Mal auf den 1. FC Saarbrücken – diesmal geht es am Sonntag um 14 Uhr auf dem Stadion-Rasenplatz zum Auftakt der Regionalliga Südwest allerdings gegen die zweite Mannschaft des Vereins. Das Andernacher Trainergespann Isabelle und Kappy Stümper lässt im Duell mit dem Vorjahresneunten überhaupt keinen Zweifel am Vorhaben aufkommen: „Ein Sieg ist Pflicht, wenn wir oben mitmischen wollen. Natürlich werden wir keinen Gegner in dieser Liga auf die leichte Schulter nehmen.“ An das letzte Aufeinandertreffen mit dem FCS II haben die Bäckermädchen noch die allerbesten Erinnerungen: Am 23. April 2017 gewann Andernach als designierter Meister mit 6:1 auf dem Saarbrücker Kunstrasenplatz „Am Kieselhumes“. Seinerzeit erzielte Isabelle Stümper zwei Treffer und avancierte wenig später mit insgesamt 26 Erfolgserlebnissen zur Schützenkönigin der Südweststaffel.
In der abgelaufenen Zweitliga-Saison traf sie – allerdings auch stets in eher defensiver Position aufgestellt – nur einmal beim 1:2 am zweiten Spieltag gegen die TSG 1899 Hoffenheim II ins Schwarze: „Ich hoffe, dass ich in dieser Saison wieder das eine oder andere Tor mehr erzielen kann.“ Der offizielle Kader der SG 99 hat sich nun endgültig um eine Spielerin reduziert, sehr zum Leidwesen aller. Der Verdacht auf erneuten Kreuzbandriss hat sich bei Jana Sebastian während eines Eingriffs in dieser Woche bestätigt, die erst 28-jährige Angreiferin beendet ihre Karriere mit sofortiger Wirkung: „Das Knie wird fürs Fußballspielen nie wieder stabil genug, ich habe gegen Bad Neuenahr wohl das letzte Spiel meines Lebens gemacht“, sagt die Marienthalerin wehmütig mit Blick auf diese Testbegegnung.
Für ihre ebenfalls verletzte Teamkollegin Maren Weingarz wird es weitergehen, allerdings erst in einigen Wochen, wenn ihr zweifacher Bänderriss im linken Fuß verheilt ist. Beide fehlten vor Wochenfrist im nervenaufreibenden DFB-Pokalspiel gegen die erste Garnitur der Saarbrückerinnen (2:4 nach Verlängerung). Somit ist im Prinzip davon auszugehen, dass das Trainergespann wohl in weiten Zügen der Formation vertraut, die sich lange erfolgreich gegen die Niederlage stemmte. Nach dem Heimspielauftakt geht es Schlag auf Schlag: Zunächst stehen die Derbys beim 1. FFC Montabaur (26. August) und gegen den SC 13 Bad Neuenahr (2. September) auf dem Programm, danach duelliert sich die SG 99 mit drei Titelfavoriten. Spätestens nach den Spielen beim FC Speyer 09, gegen den 1. FFC Niederkirchen und beim amtierenden Meister TuS Issel werden die Bäckermädchen wissen, wo die Reise sie hinführt.

Keine fliegt so spektakulär wie Antonia Hornberg: Die Nummer 31 der SG 99 Andernach wurde im Pokalspiel gegen den 1. FC Saarbrücken (2:4 nach Verlängerung) von Julia Eybe (rechts am Boden) unsanft abgeräumt. Gegen die zweite Mannschaft des FCS kann „Toni“ aber mitwirken. Foto: Norbert J. Becker

Regionalliga Frauen: SG 99 Andernach – 1. FC Saarbrücken II am Sonntag um 14 Uhr auf dem Stadion-Rasenplatz.
Rheinlandliga Frauen: SG 99 Andernach II – TuS Reil am Sonntag um 17 Uhr auf dem Stadion-Kunstrasenplatz.
B-Juniorinnen-Regionalliga: SV Bardenbach – SG 99 Andernach am Sonntag um 12 Uhr auf dem Kunstrasenplatz in 66687 Wadern (Zum Fels).
B-Juniorinnen-Bezirksliga: SV Rengsdorf II – SG 99 Andernach II 9er am Samstag um 17 Uhr auf dem Kunstrasenplatz in 56579 Rengsdorf (Tannenweg).
C-Juniorinnen-Kreisklasse: SG 99 Andernach – TSV Emmelshausen am Sonntag um 11 Uhr auf dem Stadion-Kunstrasenplatz.
D-Juniorinnen-Kreisklasse: SG 99 Andernach – SG Herresbach/Baar am Samstag um 12.30 Uhr auf dem Stadion-Kunstrasenplatz.

Einen kuriosen Verlauf nahm das Auftaktspiel der B-Juniorinnen der SG 99 Andernach in der Regionalliga Südwest: Nach torlosem Verlauf der ersten Halbzeit überrollten die Bäckerm
ädchen den Vorjahres-Vizemeister JFV Ganerb im zweiten Abschnitt mit sage und schreibe 8:0. Trainer Thomas Meyer war dementsprechend zufrieden: „Man muss gegen jede Mannschaft erst einmal in dieser Höhe gewinnen. Dabei war die Rote Karte wegen Beleidigung gegen eine Spielerin von Ganerb sicher nicht von Nachteil.“
Von Anfang an gingen seine Spielerinnen konzentriert und mit Spielfreude ans Werk. Lediglich die Chancenverwertung hätte besser sein können. Ab der 42. Minute fiel dann ein Tor nach dem anderen in regelmäßigen Abständen. Marie Schneider (3, Bild links), Elina Zweigle, Aleksandra Wroblewska (je 2) und Hannah Meyer sorgten für den Endstand und einstweilen für die überraschende Tabellenführung.
Am kommenden Sonntag geht es ins Saarland, dort steht um 12 Uhr die Begegnung beim Aufsteiger SV Bardenbach auf dem Programm.



DFB-Pokal Frauen: SG 99 Andernach – 1. FC Saarbrücken 2:4 (2:3, 1:1, 1:0) nach Verlängerung. Tore: Magdalena Schumacher, Laura Weinel (Foulelfmeter).
Rheinlandliga Frauen: FV Rübenach – SG 99 Andernach II 2:0 (1:0).
B-Juniorinnen-Regionalliga: SG 99 Andernach – JFV Ganerb 8:0 (0:0). Tore: Marie Schneider (3), Aleksandra Wroblewska, Elina Zweigle (je 2), Hannah Meyer.

Szene aus dem Rheinlandliga-Spiel unserer 2. Frauenmannschaft beim FV Rübenach: Anette Klyta am Ball, rechts daneben Hannah Ackermann. Foto: Didi Mühlen

Geschlagene 120 Minuten leisteten die Fußballfrauen der SG 99 Andernach dem favorisierten 1. FC Saarbrücken erbitterten Widerstand bei brütender Hitze, doch am Ende hatte der Zweitligist beim klassentieferen Gegner den längeren Atem. Mit 4:2 (3:2, 1:1, 0:1) behielt der FCS in der ersten DFB-Pokalrunde nach Verlängerung die Oberhand
gegen kampf- und spielstarke Bäckermädchen. „Ich bin stolz auf die Leistung der Mannschaft, darauf lässt sich aufbauen. Wirklich schade, dass wir die Überraschung nicht geschafft haben“, sagte Spielertrainerin Isabelle Stümper nach der schweißtreibenden Angelegenheit. Kappy Stümper, zugleich Teamchef der SG 99, sah es ähnlich, haderte auch ein wenig mit der Gelegenheit, in der seine Tochter mutterseelenallein vorm Saarbrücker Gehäuse (50.) gleich doppelt binnen Sekundenbruchteilen das durchaus denkbare 2:0 verpasste: „Wer weiß, wie es aussieht, wenn sie den reinmacht.“
Bis dahin spielte der Gastgeber mehr als nur auf Augenhöhe und hielt den Gegner mit einem flexiblen 4-1-4-1-System richtig gut in Schach, nennenswerte Möglichkeiten hatte der FCS im ersten Abschnitt nicht. Besser machten es die Andernacherinnen, nach einem Eckball von Lisa Umbach ließ sich Magdalena Schumacher am hinteren Eck des Fünfmeterraums auch in Bedrängnis nicht beirren – ihr Kopfball bedeutete das 1:0 (9.). Und auch der Ausgleich fiel nach einem ruhenden Ball: Caroline Asteroth hatte die davoneilende Julia Eybe im Strafraum in höchster Not abgeräumt, Jacqueline De Backer – Torschützenkönigin der abgelaufenen Zweitliga-Saison – verwandelte eiskalt (54.). Was sich kurz vor dem Ende der regulären Spielzeit andeutete, als Saarbrücken etwas Oberwasser bekam, wurde in der zweiten Minute der Verlängerung bittere Realität. Hannah Griffin zog aus der Distanz einfach mal ab, der Schuss ging vorbei an der chancenlosen Jana Theisen ins Netz – 1:2 (92.).
Die Frage im weiten Oval des Andernacher Stadions: Können die Bäckermädchen jetzt noch einmal zurückkommen? Sie konnten. Nach einem Foul an Stümper verwandelte Laura Weinel den fälligen Strafstoß zum 2:2 (97.). Dieser Spielstand hatte aber nur schlappe acht Minuten Bestand, unmittelbar vor dem dritten Pausenpfiff der Schiedsrichterin traf Julia Matuschewski mit einem sehenswerten Freistoß zum 2:3 (105.). In der Folge warf die SG 99 die verbliebenen Kräfte in die Waagschale, doch spätestens nach dem 2:4 durch Griffin (114.), wiederum erzielt per Fernschuss, war die Angelegenheit sehr zum Leidwesen des Gastgebers beendet.
SG 99 Andernach – 1. FC Saarbrücken n.V. 2:4 (2:3, 1:1 , 1:0)
SG 99 Andernach: Theisen – Hornberg, Asteroth, Schumacher, Preußner – Weinel – Langenfeld, Stümper, Umbach, Weidung (70. Rau, 115. Mais) – Deckenbrock (60. Meinerz).
1. FC Saarbrücken: Ehl – Dörr (46. Griffin), Herrmann, Matuschewski, Eybe (117. Hauck), De Backer, Rippberger, Reifenberg, Tröster, Steimer, Ditscheid.
Schiedsrichterin: Nadine Westerhoff (Castrop-Rauxel).
Zuschauer: 85.
Tore: 1:0 Schumacher (9.), 1:2 De Backer (54., Foulelfmeter), 1:2 Griffin (92.), 2:2 Weinel (97., Foulelfmeter), 2:3 Matuschewski (105.), 2:4 Griffin (117.).

Ein erbitterter Kampf auf Biegen und Brechen: Die SG 99 (rechts am Ball mit Luisa Deckenbrock, im Hintergrund beobachtet von Eva Langenfeld) musste sich im DFB-Pokal erst nach Verlängerung mit 2:4 dem favorisierten Zweitligisten 1. FC Saarbrücken geschlagen geben. Foto: Norbert J. Becker