Geisterspiel: SG 99 trifft am Sonntag im DFB-Pokal auf Gütersloh

Vorhang auf für das erste Geisterspiel der Geschichte im Andernacher Fußballstadion: Am Sonntag um 14 Uhr treffen die Frauen der SG 99 Andernach im Achtelfinale um den DFB-Pokal unter Ausschluss der Öffentlichkeit vor nahezu leeren Rängen auf den FSV Gütersloh. Zweiter der 2. Bundesliga Süd gegen Zweiter der 2. Bundesliga Nord, allein diese Konstellation verspricht einen spannenden Schlagabtausch auf Augenhöhe. So ganz ohne Zuschauer um den Platz herum geht’s nun aber doch nicht über die Bühne, ein paar ordnende Kräfte, die obligatorischen Ballmädchen, rund 15 akkreditierte Journalisten (unter anderem zwei Fernsehteams) und nicht eingesetzte Spielerinnen des Kaders beider Teams bilden eine wenn auch spärliche Kulisse. Ohne den Begriff „historisch“ überstrapazieren zu wollen, aber mit einem Erfolg gegen die Elf aus der rund 245 Kilometer entlegenen Stadt in Ostwestfalen würde der Gastgeber weiter die eigene Erfolgsgeschichte in dieser Saison fortschreiben.

2014, 2016 und 2019 erreichten die im Volksmund genannten „Bäckermädchen“ schon mal Runde zwei im DFB-Pokal, nach den folgenden Niederlagen gegen renommierte Bundesligisten aus Frankfurt, Freiburg und Jena war das jedoch stets gleichbedeutend mit der Endstation. In einem goldenen Oktober spielte sich die SG 99 in den Fokus und förmlich in einen Rausch: Zwei in dieser Höhe nicht erwarteten Erfolgen in der Liga gegen den 1. FFC Niederkirchen (5:0) und gegen den 1. FC Saarbrücken (6:0) folgte nur 13 Tage später ein weiteres Duell mit dem höher eingeschätzten FCS. Auch hier behielt Andernach die Oberhand, beim abermals souveränen Stand von 3:0 ließ der Gastgeber kurz vor dem Ende nur einen Ehrentreffer zu.

Diesmal wartet auf das Team des Trainergespanns Isabelle Hawel und Florian Stein die bis dato wohl härteste Herausforderung, unter Umständen gepaart mit Verlängerung und Elfmeterschießen. Die von Steffen Enge trainierte Einheit des FSV hat einen nahezu identischen Saisonverlauf vorzuweisen: Zwei Pokalsiegen und zwei Erfolgen in der Punkterunde (4:1 beim 1. FFC Turbine Potsdam II und 5:1 gegen Arminia Bielefeld) steht nur eine Niederlage zum Meisterschaftsauftakt (0:1 bei der SpVg Berghofen) gegenüber. Speziell der letzte Sieg im Pokalwettbewerb ließ ordentlich aufhorchen, dort schaltete Gütersloh mit dem Bundesligisten SGS Essen immerhin den Finalteilnehmer der Vorsaison aus. 3:2 lautete das Ergebnis nach nervenaufreibender Verlängerung. Kurz vor Ablauf der regulären Spielzeit sahen die Enge-Eleven nach Toren von Annalena Rieke und Shpresa Aradini beim Stand von 2:1 bereits wie der Sieger aus, ehe Etonam Nicole Anyomi den Favoriten aus Essen mit dem Ausgleich rettete – vorerst. Paula Reimann sorgte in der 107. Minute mit ihrem Treffer jedoch für die umjubelte Überraschung.

Gewarnt sind die Bäckermädchen also allemal. Aber kein Grund, nicht an die eigenen Stärken zu glauben, zumal Hawel und Stein personell aus dem Vollen schöpfen können. Nach nunmehr fünfwöchiger Vorbereitungszeit mit Training, Training und nochmals Training steht der komplette Kader zur Verfügung – Qual der Wahl nennt sich das. Ein wenig angeschlagen war zuletzt lediglich die „Miss DFB-Pokal“ der Andernacherinnen: 2019 und 2020 erzielte Maren Weingarz in den vier Spielen der SG 99 in diesem Wettbewerb stattliche sechs Treffer. Gütersloh wird sicher mehr als nur ein Auge auf die Nummer acht mit dem starken linken Fuß werfen. Das coachende Duo des Gastgebers gibt unisono zu Protokoll: „Wir haben uns fünf Wochen lang intensiv und professionell vorbereitet und freuen uns auf dieses Spiel. Bisher hat sich unsere Mannschaft souverän präsentiert, das wird auch gegen motivierte Gütersloher hoffentlich so sein. Wir sind der einzige Verein aus dem Südwesten, der noch in diesem Wettbewerb ist und möchten den Fußballverband Rheinland weiterhin würdig vertreten. Die nächste Runde ist zum Greifen nah.“

Sollte die SG 99 tatsächlich weiterkommen: Das Viertelfinale steht laut Rahmen-Terminplan am 20. und 21. März 2021 auf dem Programm – dann vielleicht mit etwas besser gefülltem Stadion. Lohn für die Leistung in diesem Fall wären weitere 8000 Euro für die Vereinskasse. Geschäftsführer Bodo Heinemann sagt: „Ein Zubrot, das wir natürlich gerne annehmen würden. Im Vordergrund steht aber ganz allein der sportliche Wert. Ich traue unserer Mannschaft noch einiges zu.“ Interessierte können das Spiel via Liveticker im Netz verfolgen. Wer ein wenig Geduld aufbringt, kann das zusammengefasste Geschehen abends in der Landesschau des Südwestrundfunks (ab 19.45 Uhr) sehen und/oder ab 22.05 Uhr einen längeren Beitrag in der Sportsendung „Flutlicht“ im gleichen Programm verfolgen.

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