2. Frauen-Bundesliga: SG 99 reicht Bewerbung ein

Mit dem Testspiel beim Zweitligisten FSV Hessen Wetzlar am Samstag um 14 Uhr starten die Fußballfrauen der SG 99 Andernach offiziell ins neue Jahr. Der Spitzenreiter der Regionalliga Südwest hat in den nächsten Wochen und Monaten bis zur Sommerpause ein großes Ziel vor Augen: den Wiederaufstieg in die 2. Bundesliga. Der Verein aus der Stadt der Bäckerjungen wird sich wie in den beiden Vorjahren auch für die zweithöchste Klasse Deutschlands bewerben, bis zum 15. März müssen die erforderlichen Unterlagen beim Deutschen Fußballbund (DFB) vorliegen. Vor knapp zwei Jahren gestaltete sich die sportliche Seite recht komfortabel: Schon zur Winterpause war die SG 99 der Konkurrenz um Lichtjahre enteilt, mit am Ende 18 Punkten Vorsprung schaffte Andernach als Meister souverän den Sprung in die höhere Klasse.

Diesmal ist die Angelegenheit bei nun 14 Staffelteilnehmern (inklusive drei Zweitliga-Absteiger plus Vorjahresmeister TuS Issel) weitaus anspruchsvoller. Doch die Bäckermädchen haben ihre Hausaufgaben bisher gut gelöst: Höhepunkt der 15 Punktspiele (13 Siege, jeweils ein Unentschieden und eine Niederlage) war ein 3:0-Erfolg am 24. Oktober beim bis dato härtesten Verfolger TSV Schott Mainz. Der liegt aktuell mit fünf Zählern weniger in Lauerstellung. Wer den Titel holt, könnte sich am 28. April beim Rückspiel entscheiden. Der Titel allein langt allerdings nicht zum direkten Aufstieg, es bedarf nach Abschluss der Meisterschaft einer Qualifikation, um das zu bewerkstelligen. Laut Plan ermitteln die fünf Regionalliga-Meister und der Zweite der Regionalliga West insgesamt drei Aufsteiger (Modus siehe unten). „Aufgrund dieses Szenarios gehen unsere Bemühungen natürlich ein wenig ins Blaue“, schildert Geschäftsführer Bodo Heinemann die momentane Gemengelage: „Selbst wenn personell und finanziell alles steht, kann sich die ganze Geschichte am 2. Juni innerhalb weniger Stunden schnell in Rauch auflösen.“

Am besagten Termin steht das entscheidende Relegationsrückspiel voraussichtlich gegen einen Berliner Verein (Viktoria oder 1. FC Union) auf dem Programm. Mit diesem Szenario sind die Frauen übrigens nicht allein, in den vergangenen Jahren war dieses Prozedere auch in den Männer-Regionalligen üblich. Der SV Waldhof Mannheim kann ein Lied davon singen, der Südwest-Vertreter verpasste gleich dreimal in Folge in einer ähnlichen Relegation den Aufstieg. So weit wollen es die Andernacherinnen natürlich nicht kommen lassen. Gelingt das Vorhaben, steht der SG 99 eine spannende, aber auch strapaziöse Saison 2019/20 bevor, die sie nach Wolfsburg, Potsdam., München, Jena, vielleicht auch Bremen zieht – also so ziemlich in alle Ecken der Republik.

Zurück in die Gegenwart: Höhepunkt der laufenden Vorbereitung ist zweifelsohne das Testspiel zu Hause am Sonntag, 3. Februar (13 Uhr), gegen den Zweitligisten 1. FC Köln. Um Punkte geht es wieder am 17. Februar, dann steht das vom Karnevalsonntag (3. März) vorgezogene Spiel gegen den FC Speyer 09 in Andernach auf dem Programm. Bis zur nächsten Aufgabe im Rheinlandpokal dauert es noch bis Ostern, am Karsamstag (20. April) steht das Halbfinale beim Lokalrivalen SC 13 Bad Neuenahr an. Eine Woche nach dem letzten Saisonspiel gegen das aktuelle Schlusslicht Wormatia Worms (12. Mai) geht das Pokalendspiel in Szene. Und dann folgt die beschriebene Relegation, sofern alles nach Wunsch verläuft. „Wir werden bis dahin alles, wirklich alles für unser Ziel in die Waagschale werfen“, gibt sich Spielertrainerin Isabelle Stümper gewohnt kämpferisch. Sie wurde unlängst von einem Frauenfußball-Magazin zu einer der besten Regionalliga-Spielerinnen Deutschlands erklärt. Die Mittelfeldstrategin mit der Nummer sieben auf dem Rücken, im Duo mit Vater Kappy Stümper auch in der nächsten Saison zuständig für den sportlichen Bereich, weiß um die Schwere der Aufgabe: „Wir planen für alle Fälle natürlich zweigleisig.“

Kappy Stümper lenkt den Blick aufs aktuelle Geschehen: „Mit USA-Rückkehrerin Karla Engels haben wir in der Winterpause eine wertvolle Spielerin zurückgewonnen. Jetzt konzentriert sich die Mannschaft erst einmal voll und ganz auf Meisterschaft und Rheinlandpokal. Ende April, Anfang Mai sehen wir dann weiter.“ Gute Personalgrundlage: Der aktuell erfolgreiche, aber auch sehr dünn bestückte 18er-Kader wird weitgehend zusammenbleiben, lediglich zwei Spielerinnen haben aus beruflichen Gründen signalisiert, den gesteigerten Aufwand nur in Teilen leisten zu können. Das Trainergespann ist daher in enger Zusammenarbeit mit Abteilungsleiter Michael Suckow und Geschäftsführer Heinemann schon jetzt dabei, zukunftsorientierte Gespräche mit talentierten und leistungsstarken Spielerinnen aus der Region und auch aus größerer Entfernung zu führen. Denn die Konkurrenz schläft sicher nicht.

Die Relegation zur 2. Frauenfußball-Bundesliga 2019/20

Sollten sich alle dafür infrage kommenden Regionalligisten fristgerecht bis zum 15. März beim DFB bewerben und dann auch zugelassen werden, käme es laut Auslosung nach derzeitigem Stand am 26. Mai und 2. Juni im Hin- und Rückspiel zu folgenden Paarungen:
1. Paarung
Meister Nordost (Viktoria Berlin) – Meister Südwest (SG 99 Andernach)
2. Paarung
Meister Nord (SV Henstedt-Ulzburg) – Meister West (Arminia Bielefeld)
3. Paarung
Zweiter West (Olympia Bocholt) – Meister Süd (FC Ingolstadt)
Der jeweils zuerst genannte Verein hat Heimrecht im Hinspiel. Die drei erfolgreichen Teams steigen in die 2. Bundesliga auf.

38 der bisher 86 Pflichtspieltore der SG 99 Andernach von links im Überblick: Antonia Hornberg (8), Sarah Krumscheid (7), Laura Weinel (11) und Spielertrainerin Isabelle Stümper (12) haben bisher maßgeblichen Anteil am Erfolg des Regionalliga-Tabellenführers aus Andernach. Foto: Norbert J. Becker

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